PISA 2025 Deutschland: die Ergebnisse, und was ich zu Hause ändere
Am 8. September lagen die PISA-Zahlen auf dem Tisch, und ich habe zwei Tage lang gelesen, wie schlimm es um uns steht. Dann habe ich damit aufgehört. Was ich stattdessen angefangen habe, dauert zehn Minuten am Abend und hat mit Punktwerten nichts zu tun.
Was am 8. September veröffentlicht wurde, und was die drei Zahlen bedeuten
Am 8. September 2026 hat die OECD die Ergebnisse von PISA 2025 vorgelegt, und die Kultusministerkonferenz hat sie am selben Tag eingeordnet. PISA testet alle drei Jahre 15-Jährige; in Deutschland wird die Studie vom Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien an der TU München durchgeführt.
Die drei Werte für Deutschland: 486 Punkte in den Naturwissenschaften, 465 im Lesen, 464 in Mathematik. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 482, 461 und 463. Wir sind also in allen drei Bereichen ungefähr dort, wo der Durchschnitt liegt, und nirgendwo darüber.
Die Zahl, die mich als Vater mehr beschäftigt, steht daneben: Rund ein Viertel der Jugendlichen verfügt in den Naturwissenschaften nicht über ausreichende Basiskompetenzen, im Lesen und in Mathematik ist es jeweils etwa ein Drittel. Rund ein Fünftel der 15-Jährigen erreicht in keinem der drei Bereiche das Mindestniveau.
Und die Einordnung, die die KMK selbst vornimmt: Die Ergebnisse liegen unter dem Niveau der ersten PISA-Studie vor 25 Jahren.
Warum ein Punktwert nichts über mein eigenes Kind sagt
PISA ist eine Stichprobe. Es werden nicht alle 15-Jährigen getestet, sondern eine gezogene Auswahl, und veröffentlicht wird am Ende ein Mittelwert für ein ganzes Land. Ein Mittelwert von 465 sagt über ein einzelnes Kind ungefähr so viel aus wie die Durchschnittsgröße der Deutschen über die Körpergröße meines Sohnes.
Dazu kommt, dass PISA nicht den Lehrplan abfragt. Die Aufgaben sind nicht am Lehrplan von Bayern oder Niedersachsen entlanggebaut, sondern an der Frage, ob ein Jugendlicher mit Texten, Zahlen und Daten umgehen kann, die ihm außerhalb der Schule begegnen. Eine ordentliche Deutschnote und eine schwache PISA-Leseleistung schließen sich nicht aus.
Eine Aussage der Studie ist allerdings hart, und sie ist eine Aussage über das System: Die Kompetenzunterschiede zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Schülerinnen und Schülern haben weiter zugenommen und sind heute so groß wie zu keinem anderen Zeitpunkt seit Beginn der PISA-Erhebungen im Jahr 2000.
Wer das liest und daraus schließt, zu Hause sei ohnehin alles egal, liest es falsch herum.
Was PISA beim Lesen abfragt, und woran ich zu Hause merke, ob es trägt
Kompetenzstufe 2 ist die Schwelle, an der PISA das Mindestniveau festmacht. Im Lesen heißt das grob: Ein Jugendlicher kann die Hauptaussage eines mittellangen Textes erfassen und darin Informationen finden, die vorgegebenen Kriterien entsprechen. Rund 68 Prozent der Jugendlichen in Deutschland erreichen mindestens diese Stufe.
Das ist nicht Vorlesetempo. Das ist nicht Rechtschreibung. Das ist auch nicht Literaturverständnis. Es ist die Fähigkeit, aus einem Text herauszuholen, worum es geht, und eine einzelne Angabe darin wiederzufinden.
Damit habe ich zu Hause eine Prüfung, die zehn Minuten dauert und keine Vorbereitung braucht. Ich nehme einen Sachtext, den mein Kind nicht kennt: eine halbe Zeitungsseite, die Anleitung eines Gesellschaftsspiels, die Seite aus dem Erdkundebuch, die morgen dran ist. Lesen lassen. Dann fragen.
Wenn die Antwort auf „Worum ging es?“ eine Aufzählung von drei Details aus dem ersten Absatz ist, dann hat mein Kind gelesen und nicht verstanden. Genau diese Lücke misst PISA, und ich sehe sie am Küchentisch schneller als in jedem Zeugnis.
Meine Gewohnheit am Küchentisch: zehn Minuten vorlesen lassen und zwei Rückfragen
Daraus ist bei uns eine Gewohnheit geworden, die an Werktagen zehn Minuten kostet und an der ich nichts mehr ändere.
Erstens: Mein Kind liest mir vor, nicht ich ihm. Vorlesen ist schön, und ich habe es jahrelang gemacht, aber es zeigt mir nichts. Sobald mein Kind vorliest, höre ich, wo es stockt, wo es die Satzzeichen überliest, wo es ein Wort errät statt es zu lesen.
Zweitens: zwei Rückfragen, immer dieselben zwei Sorten. Die erste ist die große: „Was war die Hauptsache?“ Die zweite zielt auf eine Einzelheit, die man im Text suchen muss: „In welchem Jahr war das?“ oder „Wer hat das gesagt?“ Bei der zweiten darf mein Kind zurückblättern. Das ist kein Schummeln, das ist die eigentliche Tätigkeit.
Drittens: kein Rotstift. Ich korrigiere die Aussprache nicht mitten im Satz, und ich bewerte nichts. Liegt die Antwort daneben, lesen wir den Absatz noch einmal gemeinsam. Zehn Minuten, kein Streit, fünfmal die Woche.
Am Wochenende hänge ich daran eine kurze Runde über den Stoff der Woche. Wie die bei uns abläuft, habe ich in meiner Wochenendroutine aufgeschrieben.
Was die Länder angekündigt haben, und worauf Eltern davon nicht warten sollten
Die Kultusministerkonferenz hat am Tag der Veröffentlichung gesagt, woran gearbeitet wird: Basiskompetenzen stärken, früher und gezielter fördern, die Qualität des Unterrichts datengestützt weiterentwickeln. Konkret genannt werden das Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz, Verfahren, mit denen sprachliche und weitere Förderbedarfe schon vor dem Schuleintritt erkannt werden, und das gemeinsame Programm QuaMath für den Mathematikunterricht.
Das ist keine Kleinigkeit, und ich halte es nicht für Symbolpolitik. Zwei Dinge gehören trotzdem dazu.
Schule ist in Deutschland Sache der Länder. Die KMK ist das gemeinsame Gremium der Länder, kein Ministerium, das durchregieren könnte; was dort beschlossen wird, muss in sechzehn Ländern ankommen. Und ein Programm, das heute auf den Weg gebracht wird, erreicht den Unterricht meines Kindes in Jahren, nicht in Wochen.
Die zehn Minuten heute Abend erreichen es heute Abend. Das ist der ganze Grund, warum ich aus PISA keine Empörung mache, sondern eine Gewohnheit.
Häufige Fragen
Wie hat Deutschland bei PISA 2025 abgeschnitten?
Die 15-Jährigen in Deutschland erreichen 486 Punkte in den Naturwissenschaften, 465 Punkte im Lesen und 464 Punkte in Mathematik. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 482, 461 und 463 Punkten. Deutschland liegt damit in allen drei Bereichen auf dem Niveau des OECD-Durchschnitts und unter dem Ergebnis der ersten PISA-Studie vor 25 Jahren.
Wann wurden die PISA-Ergebnisse 2025 veröffentlicht?
Am 8. September 2026. Die OECD hat an diesem Tag Band I der Ergebnisse vorgelegt, die Kultusministerkonferenz und das Bundesministerium haben sie am selben Tag kommentiert. Erhoben wird PISA alle drei Jahre bei 15-Jährigen.
Wie viele Jugendliche erreichen das Mindestniveau nicht?
Rund ein Viertel der Jugendlichen in Deutschland verfügt in den Naturwissenschaften nicht über ausreichende Basiskompetenzen, im Lesen und in Mathematik ist es jeweils etwa ein Drittel. Rund ein Fünftel der 15-Jährigen erreicht in keinem der drei Bereiche das Mindestniveau.
Kann ich aus PISA etwas über mein eigenes Kind ableiten?
Direkt nicht. PISA testet eine Stichprobe und veröffentlicht Mittelwerte für ein ganzes Land, nicht Ergebnisse einzelner Schulen oder Kinder. Was Sie tun können: einen unbekannten Sachtext vorlesen lassen und anschließend fragen, was die Hauptaussage war und wo eine bestimmte Angabe im Text steht. Genau das prüft PISA im Lesen auf der untersten tragfähigen Kompetenzstufe.
Quellen
- PISA 2025 zeigt deutlich: Basiskompetenzen stärken, Bildungschancen verbessern (Mitteilung der Kultusministerkonferenz) (2026-09-08)
- PISA 2025 zeigt deutlich: Basiskompetenzen stärken, Bildungschancen verbessern (Pressemitteilung des Bundesministeriums) (2026-09-08)
- PISA 2025: Mathematisch-naturwissenschaftliche Kompetenzen in Deutschland sinken weiter (Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik) (2026-09-08)
- PISA-Studie 2025: Die zehn wichtigsten Ergebnisse (Deutsches Schulportal) (2026-09-08)