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AIS.chat im Unterricht: was das Länder-Werkzeug wirklich taugt

Seit dem Frühjahr heißt der KI-Chatbot der Länder nicht mehr telli, sondern AIS.chat, und die Umbenennung hat in meinem Kollegium mehr Gesprächsstoff geliefert als das Werkzeug selbst. Ich arbeite seit einigen Monaten damit, meistens für Material, manchmal mit der Klasse. Der Chat ist dabei der Teil, über den am meisten geredet wird, und der Teil, der am wenigsten bringt.

Was AIS.chat ist, wer es bezahlt, und warum es nicht mehr telli heißt

AIS.chat ist keine eigene KI, sondern eine Oberfläche, die an mehrere Sprachmodelle angebunden ist. Umgesetzt wird das Vorhaben vom FWU, dem Medieninstitut der Länder, laut Berliner Senatsverwaltung „im Auftrag der 16 Bundesländer“ (Pressemitteilung vom 20. Mai 2026).

Für die Schulen ist der Zugang kostenfrei. In Nordrhein-Westfalen gilt das laut Bildungsportal für Lehrkräfte und ihre Schülerinnen und Schüler „an allen öffentlichen Schulen und Ersatzschulen“. Kostenfrei heißt allerdings nicht unbegrenzt: die Länder legen nach Angaben der offiziellen FAQ monatliche Token-Budgets fest, und die Bilderzeugung schlägt dort mit rund drei Cent pro Bild zu Buche.

Der Namenswechsel hat einen nüchternen Grund. Die Erlaubnis, die Marke telli zu nutzen, endete mit Ablauf des 19. Mai 2026; Funktionen und Benutzerdaten, auch bereits angelegte Chats, Assistenten und Zugangsdaten, blieben erhalten (Bildungsportal NRW, 18. Mai 2026).

News4teachers hat am 29. Mai 2026 beschrieben, was das an den Schulen ausgelöst hat: Internetseiten, Elternbriefe, Materialien und Fortbildungsvideos mussten auf den neuen Namen umgestellt werden. Wer im Sommer eine Handreichung mit dem alten Namen ausgeteilt hat, verteilt sie jetzt noch einmal.

Wie ich als Lehrkraft überhaupt hineinkomme (Stand September 2026)

Die Einführung läuft Land für Land, nicht bundesweit auf einen Schlag. Die Projektseite beschreibt sie ausdrücklich als schrittweise, und der Weg führt immer über das Portal des eigenen Landes. Die erste Adresse ist also nicht eine Bundesseite, sondern das Landesportal.

Zwei belegte Punkte: In Berlin steht AIS.chat seit dem 20. Mai 2026 „allen öffentlichen Schulen in Berlin kostenfrei zur Verfügung“. Das Deutsche Schulportal zeichnet den Rollout nach und nennt Bremen im Juni 2025 als erstes Land, danach kamen weitere Länder bis ins Frühjahr 2026 dazu.

In Nordrhein-Westfalen sieht der Ablauf so aus: Die Schulleitung registriert die Schule und importiert die Daten der Lehrkräfte, per SchILD-Export oder CSV, danach melden sich die Lehrkräfte über den Landeszugang an. Das war bei uns der Teil, der gedauert hat, nicht die Nutzung.

Schülerinnen und Schüler brauchen kein eigenes Konto. Sie werden von ihrer Lehrkraft freigeschaltet und kommen über geteilte Links in die vorbereiteten Chats, in NRW Klassendialoge genannt.

Der Chat ist der langweilige Teil: Lernszenarien und Dialogpartner

Wenn ich das Werkzeug nur für mich nutze, ist es ein durchschnittlicher Assistent: Textvarianten, Umformulierungen, eine Gliederung, ein Dateiupload für ein PDF, das ich sowieso schon gelesen habe. Interessant wird es bei den beiden Funktionen, die für die Lerngruppe gebaut sind.

Lernszenarien sind von der Lehrkraft vorbereitete Chats, die per Link oder QR-Code geteilt werden. Der Bildungsserver Berlin-Brandenburg weist darauf hin, dass diese Zugänge zeitlich und über ein Tokenvolumen begrenzt sind. Das klingt nach Verwaltung und ist in der Praxis der wichtigste Punkt: die Arbeitsphase endet, wenn sie enden soll.

Dialogpartner sind Chats, in denen die KI eine reale oder fiktive Person nachbildet, ebenfalls per Link oder QR-Code teilbar. Diese Funktion trägt genau so weit, wie der Auftrag eng ist. „Sprich wie eine Romanfigur“ führt zu Kitsch. „Antworte nur mit Rückfragen und nenne keine Lösung“ führt zu einer Viertelstunde, in der die Klasse tatsächlich arbeitet.

Mein Muster ist deshalb schlicht: fünfzehn Minuten im Szenario, danach Heft und Stift, und am Ende eine Frage, die ohne den Chatbot beantwortet werden muss.

Wo das Ergebnis mittelmäßig wird, und meine drei Prüfschritte

Beim Material wird es mittelmäßig, und zwar berechenbar mittelmäßig. Die Aufgaben kommen eine Stufe zu leicht heraus, die Operatoren passen nicht zu dem, was im Lehrplan steht, und Sachdetails stimmen fast.

Das ist kein Vorwurf an das Werkzeug, es steht so in der offiziellen FAQ: große Sprachmodelle können falsche Informationen erzeugen, Antworten sind deshalb immer kritisch zu betrachten. Der Bildungsserver Berlin-Brandenburg rät, Sachaussagen an geeigneten Originalquellen zu prüfen.

Drei Schritte, die ich vor dem Kopieren mache:

  1. Ich bearbeite das Blatt selbst, in der Zeit, die ich der Klasse geben will. Was ich nicht in der Hälfte dieser Zeit schaffe, ist zu lang.
  2. Ich prüfe jede Jahreszahl, jeden Namen und jede Formel am Lehrwerk oder am Lehrplan, nicht an einer zweiten KI-Antwort.
  3. Ich streiche eine Aufgabe und ersetze sie durch eine, die an dem hängt, was diese Lerngruppe letzte Woche nicht konnte.

Ein generiertes Arbeitsblatt ist so viel wert wie die Person, die es prüft. Die Zeit spare ich beim ersten Entwurf, nicht beim fertigen Material, und wer das umdreht, verteilt irgendwann ein Blatt mit einer erfundenen Jahreszahl.

Was der Datenschutzrahmen abdeckt, und was er nicht abdeckt

Der Rahmen ist deutlich belastbarer als bei einem Dienst, den man sich privat holt. Die Oberfläche wird in Deutschland gehostet, die angebundenen Sprachmodelle werden in der EU betrieben, so beschreibt es die Projektseite. Die Berliner Senatsverwaltung schreibt, die Daten würden „nicht an Dritte weitergegeben oder für ein Training der LLMs verwendet“.

Chatverläufe der Lehrkraft liegen laut FAQ auf Servern innerhalb der EU und werden entfernt, wenn der Zugang entfällt. Der Bildungsserver Berlin-Brandenburg ergänzt, dass gespeicherte Chats verschlüsselt abgelegt und nur von der Lehrkraft selbst einsehbar sind.

Was nicht abgedeckt ist, steht genauso deutlich da. Das Bildungsportal NRW hält fest, dass AIS.chat für Verwaltungsaufgaben, die die Eingabe personenbezogener Daten beinhalten, nicht geeignet ist. Also keine Namen, keine Förderbedarfe, keine Zeugnisformulierungen mit Klarnamen im Chatfenster.

Und der Punkt, der beim Wort Datenschutz gern untergeht: er sagt nichts über Richtigkeit. Ein datenschutzkonformer Chatbot erfindet Jahreszahlen genauso zuverlässig wie jeder andere. Die Verantwortung für das, was ausgeteilt wird, bleibt bei der Lehrkraft, und das ist die richtige Stelle dafür.

Häufige Fragen

Ist AIS.chat für Lehrkräfte kostenlos?

Ja. Das Bildungsportal NRW spricht von einem kostenfreien Zugang für Lehrkräfte und ihre Schülerinnen und Schüler an allen öffentlichen Schulen und Ersatzschulen, Berlin von einem kostenfreien Angebot für alle öffentlichen Schulen. Für die Nutzenden fallen keine Kosten an; die Länder legen laut offizieller FAQ monatliche Token-Budgets fest.

Brauchen Schülerinnen und Schüler ein eigenes Konto?

Nein. Sie werden von ihrer Lehrkraft freigeschaltet und arbeiten in geteilten Chats, die per Link oder QR-Code bereitgestellt werden. Diese Zugänge sind zeitlich und über ein Tokenvolumen begrenzt.

Heißt telli jetzt AIS.chat?

Ja. Die Erlaubnis zur Nutzung der Marke telli endete mit Ablauf des 19. Mai 2026. Funktionen und Benutzerdaten, auch bereits angelegte Chats, Assistenten und Zugangsdaten, sind nach Angaben des Bildungsportals NRW erhalten geblieben.

In welchem Bundesland kann ich AIS.chat nutzen?

Das Vorhaben wird im Auftrag der 16 Bundesländer umgesetzt, die Freischaltung erfolgt aber schrittweise über das jeweilige Landesportal. Belegt sind unter anderem Bremen als erstes Land im Juni 2025 (Deutsches Schulportal) und Berlin seit dem 20. Mai 2026. Maßgeblich ist immer die Seite des eigenen Landes.

Quellen

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